Englisch Übersetzungen von Literatur sehr gefragt

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Beim "Übersetzungsbüro Englisch" war der Name Programm. Geschäftsführer Wilfried Wortwender stand diesem Übersetzungsbüro bereits seit Gründung als Chef vor und hatte es einst als Drei-Mann-Betrieb aus dem Boden gestampft. Angefangen hatte es mit kleineren Übersetzungsarbeiten für kleine Nischenmagazine und Käseblätter. Seither war es steil bergauf gegangenen und das Übersetzungsgeschäft florierte – insbesondere für das Übersetzungsbüro Englisch, das als führend in Belangen der englischen Übersetzung galt. In Sachen Englisch Übersetzung hatte sich das Übersetzungsbüro bereits eine solch überragende Reputation erarbeitet, dass es sich vor lauter Großaufträgen kaum retten konnte. Selbst sensibelste Dokumente, wie die deutschsprachigen Geschäftsberichte global agierender Unternehmen, wurden zur Übersetzung ins Englische beim Betrieb Wilfried Wortwenders eingereicht.

Scheinbar leistete das Übersetzungsbüro dabei Arbeit von solcher Güte und Qualität, dass sich die Nachfrage auf immer mehr Bereiche ausweitete. So kam es, dass deutsche Verlage von Rang und Namen die Dienste des Übersetzungsbüros Englisch in Anspruch nahmen, um einige Werke ins Englische übersetzen zu lassen. Dadurch konnte man sich natürlich ganz neue Referenzen von bedeutender Tragweite erarbeiten. Scheinbar waren die Verlage mit den Literatur Übersetzungen sehr zufrieden, denn es folgten rasch neue Aufträge. Bald schon machten Literatur Übersetzungen das Kerngeschäft beim Übersetzungsbüro Englisch aus. Werk um Werk wurde eine Übersetzung nach der anderen verfasst. Die Mitarbeiter wurden frühzeitig fortgebildet, um auch der englischen Prosa- und Literatursprache gerecht zu werden. So wurde das Übersetzungsbüro Englisch zum Marktführer für die literarische Englisch Übersetzung.

Doch schon bald mussten die Übersetzer des Übersetzungsbüro Englisch die Schattenseiten dieses Ruhms erfahren. Hatte man bisher stets das Glück gehabt, dass bis dahin ausschließlich literarische Werke übersetzt werden mussten, die wenigstens dem Geschmack und Anspruch mindestens eines Übersetzers entsprachen, so trat nun eine Ausnahmeerscheinung auf, von der im Nachhinein alle betroffenen Übersetzer lieber verschont geblieben wären. Es ging um eine Englisch Übersetzung für das Werk einer deutschen Nachwuchsautorin. In dem Buch ging es um eine schnulzige Liebesgeschichte, die irgendetwas mit erotisch angehauchtem Vampirismus und Teenagern zu tun hatte. Zwischen den Schreibtischen des Übersetzungsbüros machten schon angstgeschwängerte Gerüchte die Runde. So versicherte ein Übersetzer den Kollegen hinter vorgehaltemer Hand (er hatte das Buch bereits in Anfängen zu lesen bekommen – seine minderjährige Tochter besaß es), dass dieses Buch sogar den Kitsch einer Anne Rice wie ein tiefgründiges Werk epochalen Ausmaßes wirken lies.

Als dann bestimmt werden sollte, welcher Übersetzer sich des vor Kitsch und Belanglosigkeit triefenden Debütromans annehmen sollte, wollte natürlich jeder diesen Kelch an sich vorrübergehen lassen. Wilfried Wortwender war erstaunt: Es war das erste Mal, dass keiner seiner Übersetzer die Hand hob, als ein Auftrag (und ein gut honorierter dazu) vergeben wurde. Schließlich verdonnerte er einen Mitarbeiter zur Zwangsübersetzung, als sich nach zwanzig Minuten guten Zuredens und Honorarerhöhung noch immer niemand melden wollte. Der so abgestrafte Übersetzer wurde in den kommenden Wochen von seinen Kollegen gemieden, fürchteten diese doch, dass er um ihren Ratschlag oder schlimmer noch um ihre Hilfe bitten könnte. Jeder der Kollegen wollte sich inhaltlich in so sicherer Entfernung dieser laienhaften Teenager-Posse wissen wie nur irgend möglich. Hinzu kam der offensichtliche Verfall des betroffenen Übersetzers. Er begann, wann immer er sich unbeobachtet glaubte (was beunruhigend oft der Fall war), vor sich hinzu schwafeln. Besorgte Kollegen scheuten sich aber zu intervenieren – zu groß war die Angst vor mehreren Hundert Seiten Schundroman.

Der gepeinigte Übersetzer vollendete die Übersetzung. Jedoch sollte der Ruf des Übersetzungsbüros von Wilfried Wortwender dadurch nicht unbeschadet bleiben. Ab Seite 352 hatte der Übersetzer offensichtlich die Nerven verloren. Der Vampir entledigte sich auf dieser Seite nämlich außerplanmäßig seiner menschlichen Liebhaberin und zog für den Rest des Buches brandschatzend durch amerikanische Vorstädte.